Lesung «Else trifft Heinrich» mit Giulietta Odermatt, Musik Ben Jeger

Zwei grosse Liebende im Industrie – und grosse Kontraste – mit Musik, die das Herz bewegte

Else Lasker–Schüler und Heinrich Heine waren beide der Liebe sehr zugetan, und beide gewährten ihr in ihren Gedichten viel Raum. Wobei Heinrich Heine auch bei romantischen Themen seine spitze Zunge nicht zügelte, während Lasker-Schülers Herz oft im Übermass der Liebe schwelgte – und ihre Gedichte auch von den bitteren Seiten der Liebessehnsucht sprechen liess. „Else trifft Heinrich“, so hiess der Abend; und die beiden hatten sich über die Jahre hinweg, die sie trennen, durchaus etwas zu sagen.

Giulietta Odermatt gelang es zusammen mit dem in Solothurn bestens bekannten Ben Jeger an einem ausgebuchten Lyrikabend im Restaurant Industrie sehr gut, diese gegensätzlichen Charaktere zu zeigen und erlebbar zu machen. Die in Solothurn geborenen Schauspielerin lebte und arbeitete lange in Deutschland. In ihrer Zusammenarbeit mit Ben Jeger, der die Handharmonika und eine Trommel spielte, zeigten die beiden Künstler gegenseitiges Einfühlungsvermögen, so dass die Stimmungen der Gedichte kongenial in die Musik übertragen wurde. Auch dort liess es sich träumen und schwelgen.

So geht es also um Heines Jüngling, der unglücklich ein Mädchen liebt, die wiederum einen anderen liebt, und dieser „andere liebt die andere und hat sich mit dieser vermählt; es ist eine alte Geschichte, doch geschieht sie immer neu, und wem sie just passieret, dem bricht das Herz entzwei.“ Während Heine also ganz sachlich vom Brechen des Herzens erzählt, klagt die Lasker-Schüler in ihrer bilderreichen, von schwerer Symbolik geprägten Sprache über Liebesnot und träumt von Liebesglück. Ein reizvoller Kontrast, dem sich das Publikum gerne hingab – und vielleicht auch heimlich die eine oder andere Träne verdrückte, in Erinnerung an vergangene Lieben?


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